25.01.2022 15:44 Uhr

Fotos: Jan Bürgermeister I Text: Peter Hintze

Toyota GR Yaris, Baujahr 2020

Dieses Teil rockt – optisch und technisch!

Motorjournalisten aus aller Welt feiern ihn – Toyotas brandneuen GR Yaris. Denn der Kleine bringt echtes WRC-Feeling auf die Straße, mit 261 PS und Allrad herrlich unvernünftig und dennoch bezahlbar. So einen muss man doch in sein Herz schließen, oder!? Wir sind den kleinen Japaner gefahren.

Nichts Vollelektrisches, kein weichgespülter Hybrid ... Eine pure Fahrmaschine! Mit dem GR Yaris rollt Ende März etwas auf unseren Hof, das ganz und gar nicht in die heutige Zeit passen will. Danke, Akio Toyoda, und Glückwunsch zur Ehrung als „World Car Person of the year"! Unseren Tester hat Toyota mit dem High-Performance-Paket ausgestattet. Es beinhaltet neben zwei Torsen-Sperrdifferenzialen und rot lackierten Bremssätteln mit Gazoo-Racing-Schriftzug Schmiederäder aus dem Hause BBS in der Dimension 18 Zoll. Doch man kann nicht alles haben ... Zum Testtermin Ende März/Anfang April sind noch Winterkompletträder montiert. Gut für uns. Denn von Schnee bis Frühsommer ist im Testzeitraum alles dabei.

Foto: Jan Bürgermeister

Richtig zornig sieht er schon mal aus – der in Kooperation mit dem Gazoo Racing Team komplett neu entwickelte Giftzwerg. Die sportlich-breite Silhouette, dazu Allradantrieb und ein Hochleistungsdreizylinder ... Dem Neuankömmling sieht man auf den ersten Blick an, wofür er gemacht ist. Für die Rallye-Weltmeisterschaft, die WRC. Ich kann es kaum erwarten, mich auf Tuchfühlung mit dem dreitürigen GR Yaris zu begeben. Ein Hingucker ist er allemal und mit dem fünftürigen Pendent überhaupt nicht zu vergleichen! Das merke ich bei meiner ersten kleinen Stadtrunde. Der eine oder andere Kenner dreht sich sofort um, zeigt Daumen hoch.

Performance-Enthusiasten und Rallye-Fans mussten in den zurückliegenden Jahren einige Tiefschläge hinnehmen. Denn Mitsubishi Lancer EVO und Subaru WRX Sti, einst Inbegriffe für allradgetriebenen Motorsport, wurden zu Grabe getragen. Mit dem GR Yaris beweist Toyota den Mut eines Samuraikämpfers und präsentiert einen echten Hoffnungsschimmer für alle Adrenalinjunkies.

Echter Motorsport im kompakten Format

Diese Mischung scheint bei den Fans anzukommen. Allein im Februar hat Toyota nach eigenen Angaben über 1.100 Einheiten seines kleinen Athleten in Deutschland verkauft. Kein Wunder: Im durchtrainierten Kleinwagen steckt jede Menge Erfahrung und Expertise aus der Rallye-Weltmeisterschaft, in der Toyota wieder höchst erfolgreich unterwegs ist. Und nicht nur das: Der GR Yaris dient sogar als aktuelles Homologationsmodell für die WRC.

Mit 3.995 Millimeter Länge, einer Breite von 1.805 Millimetern und 1.445 Millimeter Höhe ist der kleine Floh äußerst kompakt in den Maßen. Sein Radstand liegt bei 2.560 Millimetern. Die Spurbreite vorn beträgt 1.536 Millimeter. Hinten sind es 1.572 Millimeter.

Foto: Jan Bürgermeister

Perfekte Abmessungen für ein echtes Rallyeauto. Der GR Yaris teilt sich mit dem fünftürigen Schrägheckmodell des Yaris kaum mehr als Scheinwerfer, Rückleuchten, Außenspiegel sowie Haifischflosse auf dem Dach. Alle anderen Komponenten wurden neu gestaltet. Was tut man nicht alles für die perfekte Aerodynamik? So fällt die Dachlinie am hintersten Punkt gegenüber dem Standardmodell 95 Millimeter niedriger aus und macht den kleinen Flitzer zu einem schnittigen Coupé. Form follows function: Der große Kühlergrill und das breitmaschige Wabengitter sollen dem Motorraum sowie den Wasser- und Ladeluftkühlern ausreichend Frischluft zuführen. Vertikal angeordnete Öffnungen an der Frontschürze kühlen die Bremse. Auf dem Heck thront ein Spoiler. Aus dem Diffusor lugen zwei Endrohre hervor. So geht Kampfsport. Möglichst wenig Gewicht bei maximaler Sicherheit – das war die Devise bei der Entwicklung. Der GR Yaris hat auf 1.280 Kilo abgespeckt und kommt als erstes Toyota-Modell mit einem Dach aus gewebtem Kohlefasermaterial daher. Gewichtsersparnis auch bei Motorhaube, Heckklappe und Türen. Sie sind aus Aluminium. Die Einstiegstüren verfügen über rahmenlose Scheiben.

Foto: Jan Bürgermeister

Unter der leichten Motorhaube steckt der wahre Quell der Freude – ein turboaufgeladener Dreizylinder. Dessen Leistungsausbeute liegt bei beachtlichen 261 PS/192 kW bei 6.500 Touren, das maximale Drehmoment von 360 Nm bei 3.000 bis 4.600 Umdrehungen. Laut Toyota ist das Triebwerk das kraftvollste seiner Art und aktuell der schmalste und leichteste 1,6-Liter-Turbomotor. Für alle Zahlenjongleure sei an dieser Stelle noch angefügt, dass das Leistungsgewicht bei 4,9 Kilogramm pro PS liegt. Wow! Der macht richtig Laune! Dank seines permanenten elektronisch geregelten GR-FOUR-Allradantriebs will der Kleine immer nach vorn. Er sprintet aus dem Stand in gerade einmal 5,5 Sekunden auf Tempo 100. Erst bei 230 Stundenkilometern wird abgeregelt. Nicht schlecht für einen Dreizylinder: Der Motorsound kommt aus dem Lautsprecher. Okay, der bleierne Fuß kostet entsprechend Sprit. Gut zehn Liter genehmigt sich unser frecher Japaner beim Test. Das ist nicht wenig. Aber reden wir nicht drüber.

Beim Interieur des GR Yaris fokussiert sich Toyota aufs Wesentliche – und das ist für uns die pure Fahrfreude. Das Dreispeichen-Lederlenkrad mit Gazoo-Racing-Logo ist herrlich griffig. Währenddessen bieten die Sportsitze perfekten Seitenhalt. Sie sind für Großgewachsene leider etwas zu hoch positioniert. Auch ich habe mit der niedrigen Dachlinie zu kämpfen. Gewöhnungsbedürftig ist die Sicht nach vorn heraus. Das liegt am hoch herausstehenden Display der Headunit und dem nicht gerade klein dimensionierten Rückspiegel.

Foto: Jan Bürgermeister

Nichts, aber auch gar nichts zu mäkeln gibt es an der Sechs-Gang-Handschaltung mit Zwischengasfunktion auf Knopfdruck. Die Schaltung ist alles andere als hakelig. Sie arbeitet hochpräzise und knackig. Der Wahlschalter des GR-FOUR-Systems befindet sich direkt am Schalthebel. Für die Verteilung des Motormoments zwischen Vorder- und Hinterachse stehen drei Modi Auswahl. Im Standardprogramm (Normal) gehen 60 Prozent auf die Vorder- und 40 Prozent auf die Hinterachse. Der Track-Modus teilt das Motormoment im Verhältnis 50:50 zwischen beiden Achsen auf. Richtig ab geht es im Sport-Modus. Dann gehen 70 Prozent der Antriebsleistung an die Hinterräder und verleihen dem Giftzwerg die Charakteristik eines Hecktrieblers.

Nichts herumzumosern gibt es an der Bremsanlage. Sie verzögert perfekt.

Und der Preis? Der ist akzeptabel. Den GR Yaris gibt es in der Basisausstattung schon für 33.200 Euro. Inklusive aller Extras kostet unser Testwagen 38.440 Euro. Das ist nicht ganz billig. Aber Vergleichbares gibt es aktuell eben auch nicht. Der eine oder andere Sti- oder EVO-Fahrer dürfte an dem Kleinen Gefallen finden. Wir übrigens auch.

Foto: Jan Bürgermeister

Fazit

Kleine Kinder spielen gern, große noch viel lieber. Heißt es. Mit dem GR Yaris bringt Toyota ein waschechtes Spaßmobil mit Allradantrieb und Dreizylinder auf den Markt. Endlich wieder ein Rallyeauto für die Straße. Und eines mit echtem Suchtpotenzial für Adrenalinjunkies. Ich bin mir sicher: Wir werden noch viel vom scharfen GR Yaris hören und sehen.

Toyota GR Yaris, Baujahr 2020

Motor: 1,6 Liter Turbo Dreizylinder, Leistung: 192 kW/261 PS, max. Drehmoment: 360 Nm/3.000-4.600 U/min, Benziner

Getriebe: Sechs-Gang-Schaltgetriebe

Bremse: Vier-Kolben-Aluminium-Bremssättel vorn, Zwei-Kolben-Bremssättel aus Aluminium hinten, Bremsscheiben innen belüftet (Durchmesser vorn: 356 mm, hinten: 297 mm)

Karosserie: Dreitürer, rahmenlose Türen, Lackierung in Precious Schwarz, CFRP Carbon-Dach mit Beklebung, Außenspiegel schwarz, Privacy-Verglasung, unterer Frontgrill Gazoo-Racing-Design, GR-Funktionsmatrix-Stoßfänger, Gazoo-Racing-Typenschild, adaptive LED-Scheinwerfer, LED-Tagfahrlicht, Nebelscheinwerfer-LED, Heckleuchten mit LED-Leuchtband und LED-Blinkleuchten, Lufteinlässe für Bremskühlung

Antrieb: GR-FOUR-Allradsystem, High-Performance-Paket, unter anderem mit zwei Torsen-Sperrdifferenzialen

Fahrwerk: GR-Sportfahrwerk, MacPherson-Vorderradaufhängung

Interieur: Drei-Speichen-Leder-Sportlenkrad mit Gazo-Racing-Logo, Sportsitze vorn, Rückbank 60:40 geteilt und klappbar, rote Ziernähte auf Schaltknauf und Handbremshebel, Sport-Pedalerie und Fußstütze aus Aluminium, GR-FOUR-Wählschalter, Smart-Key-System, schlüsselloses Öffnen des Fahrzeugs über Fahrer- und Beifahrertür sowie Starten des Motors, Alcantara-Lederausstattung schwarz, Lenkrad beheizbar, Sitzheizung regelbar für Fahrer- und Beifahrersitz, Zwei-Zonen-Klimaautomatik

Car-Hi-Fi: Acht-Zoll-Multimedia-Display, DAB+, sechs Lautsprecher, USB-Schnittstelle

Rad/Reifen: Continental Wintercontact 15-Speichen-Räder 225/40 R18 92V, optional geschmiedete BBS-Leichtmetallräder in 18 Zoll (10-Speichen-Design) mit High-Performance-Bereifung Michelin Pilot Sport 4S (High Performance Paket)

Fahrdaten: Vmax: 230 km/h, 0–100 km/h: 5,5 Sekunden

Verbrauch (kombiniert/innerorts/außerorts): 7,7/9,3/6,7 l/100 km (Werksangabe), Testverbrauch: 10,1 l/100 km

CO2-Emissionen (kombiniert): 175 g/km

Energieeffizienzklasse: F

Preis: 33.200 Euro (Basisausstattung), 5.240 Euro (Sonderausstattung)
Testwagenpreis: 38.440 Euro