Karmann Ghia Typ 14, Baujahr 1961

Auf den Oldie gekommen

25.04.2022 13:23 Uhr

Text: Peter Hintze I Fotos: privat

Stephan liebt Autos und reist gerne. Frau Verena und Tochter Lena sind immer mit auf Achse. Wenn Familie Philipsen nicht gerade mit dem T6 California die Welt erkundet, klopfen ihre Herzen im Takt von Young- und Oldtimern. Groß und Klein hat Benzin im Blut. Auf zwei für den Motorsporteinsatz umgebaute BMW E30 318is schlägt nun ein Karmann Ghia als erstes luftgekühltes Projekt von Stephan zu Buche.

„Eigentlich ist meine Frau Verena zu dem Oldtimer gekommen", erinnert sich der Autofan. „Wir waren damals noch mit einem BMW E30 318is auf Old- und Youngtimer-Rallyes unterwegs. Dann hat meine Frau einen roten Karmann Ghia gesehen und sich direkt verliebt ..." Der Familienvater verkaufte den E30 und schaute sich gemeinsam mit seiner Frau nach einem Karmann Ghia um. In der Nähe von Rotterdam wurden die beiden im September 2018 schließlich fündig. Ein Typ 14, Baujahr 1961. Irgendwann nach Europa zurückgekehrt aus den Vereinigten Staaten. Zustand: mehr schlecht als recht.

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„Beim Kauf sah man schon die Rostblüten im unteren Bereich des Fahrzeugs. Aber sonst, dachte ich mir, scheint der Karmann in einem ganz guten Zustand zu sein. Doch ich wurde später eines Besseren belehrt", erzählt Stephan. Die von Verena „Karmen" getaufte Rostlaube zickte mächtig herum und erwies sich als harte Gegnerin. Denn auf den zweiten Blick offenbarte sich der miserable Zustand der Basis. „In den USA musste wohl schon einmal die ganze linke hintere Seite ausgebeult und mit bis zu zwei Zentimetern Spachtel zugeschmiert worden sein", berichtet der Hobbyschrauber. Eine Katastrophe. Doch Stephan fackelte nicht lange ...

„Einmal alles runter und neu" – so lautete die Maßgabe. Bei seinem Mammutprojekt konnte er auf viele Helfer zählen. Allen voran sein Papa. Der Käfer- und Bulli-Schrauber unterstützte bei allen möglichen Arbeiten. Kumpel Marcel kümmerte sich um die komplette Elektrik und stand auch bei anderen Arbeiten immer mit Rat und Tat zur Seite. Maik hat sich um die nicht gerade einfachen Karosseriearbeiten gekümmert. In Roberto von der Oldtimer-Schmiede fand Stephan einen patenten Motorenbauer. Und ohne einen Sattler wäre der neue Himmel vermutlich nicht faltenfrei eingesetzt worden ...

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Mit tatkräftiger Unterstützung riss Stephan den Typ 14 komplett auseinander und grundierte die Bodenplatte neu. Nach dem Entlacken gab der Schrauber die Karosserie zum Karosseriebauer und Lackierer. Er tauchte „Karmen" in eine Farbkombination vom T1 – und zwar VW L680 Kumulusweiß und VW L360 Seeblau. Zeitgleich ließ Stephan den neuen Motor sowie eine neue höhenverstellbare Vorderachse bauen. In seiner Garage sortierte er die Anbauteile, säuberte sie und bereitete alles für den späteren Einbau vor. Als die Karosse lackiert wieder in der Halle stand, wurde der Kabelbaum komplett neu angelegt. „Da ich von Elektrik überhaupt keine Ahnung hatte, war das eine besondere Herausforderung für mich", schildert Stephan. „Die konnte ich dank der Hilfe aber super bewältigen."

Und dann ging alles Schlag auf Schlag: ein 1.835-Kubikzentimeter-Motor mit 40er-Zentral-Weber-Doppelvergaser, Leistung ca. 90 PS und Achse rein, Bremsen neu, vorne innen belüftete CSP-Scheibenbremsen, hinten original Trommeln, Ölkühler, Instrumente, Innenausstattung und Teppich. Um den Himmel kümmerte sich ein Sattler. Die Front- und Heckscheibe wurden vom örtlichen Scheibenservice eingesetzt. Anschließend konnte Stephan die restlichen Anbauteile verbauen.

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Nach getaner Arbeit atmet er durch und freut sich auf Ausflüge, Touren und Oldtimer-Rallyes mit seinen Mädels. „Karmen" ist perfekt – dank der vielen Helfer beim Projekt und einer verständnisvollen Frau ... „Der luftgekühlte Motor hört sich einfach klasse an", schwärmt Stephan. Dem ist wahrlich nichts hinzufügen.

Karmann Ghia Typ 14, Baujahr 1961 >>> Stephan Philipsen

Motor: 1.835 ccm mit 40er-Zentral-Weber-Doppelvergaser, Leistung ca. 90 PS, externer Ölkühler

Auspuff: CSP-Super-Competition-Edelstahl-Auspuffanlage

Bremse: innen belüftete CSP-Scheibenbremsanlage vorne, hinten Trommel

Fahrwerk: höhenverstellbare Achse vorn, Bilstein-Stoßdämpfer

Karosserie: Komplettrestaurierung, Lackierung in VW L680 Kumulusweiß und VW L360 Seeblau

Rad/Reifen: Karmann-Ghia-Felgen in 4,5 x 15 Zoll mit Bereifung in 155/80R15

Interieur: Banjo-Lenkrad, Zusatzinstrumente für Öltemperatur und Öldruck, Drehzahlmesser nachgerüstet

Dank an: Papa, Freunde Marcel und Maik, Roberto (Oldtimer Schmiede), Verena und Lena